Die Hells Angels sind der berühmteste Motorradclub der Welt, sorgen aber immer wieder für Negativ-Schlagzeilen. Der President des Wiener Charters wünscht sich einen Imagewandel.

Nicht nur in Deutschland haben die Ableger der berühmten Hells Angels ein Image-Problem. Auseinandersetzungen mit anderen Rockerclubs sorgten immer wieder für Schlagzeilen, auch von organisierter Kriminalität ist in Sicherheitsberichten die Rede. Europol warnte 2010 vor einer Ausbreitung von Rockergangs in Europa. Mittlerweile ist die Zahl der Chapter der drei größten Gruppen – Hells Angels, Bandidos und Outlaws – in Europa größer (mit mehr als 400) als in den USA und Kanada (mit rund 300). In manchen deutschen Bundesländern gab es sogar Verbote von Hells Angels-Clubs.

Die Clubs versuchen nicht selten, das Bild in der Öffentlichkeit zu korrigieren. Helmut Soukal, der Präsident der Wiener Hells Angels, die übrigens laut Berichten des Innenministeriums als unauffällig gelten, erklärte im Gespräch mit KURIER.at, was er unternimmt, um gegen das schlechte Image anzukämpfen.

KURIER.at: Vor allem in Deutschland und Dänemark sind die europäischen Hells Angels in den vergangenen Jahren immer wieder in die Schlagzeilen gekommen …

Helmut Soukal: In Deutschland wird viel negative Presse gemacht. Wenn man etwas über die Hells Angels liest, geht es immer nur um Waffen, Drogen, Prostitution und Menschenhandel. Und alle von uns sollen davon leben. Das entspricht ja nicht den Tatsachen. So war etwa mal in Deutschland jemand von der Idee begeistert, eine eigene Getränkelinie herauszubringen, die an die Hells Angels angelehnt ist. „Original 81 Drinks“ war bereits bei Großhändlern, Tankstellen usw. gelistet. Bis dann die Polizei den Händlern erklärt hat: Wisst ihr eigentlich, dass ihr damit eine kriminelle Vereinigung unterstützt? Worauf die Bierflaschen usw. wieder aus den Regalen genommen wurden. Er war von einem Tag auf den anderen wieder auf null. Am Boden zerstört. Das sind gefährliche Entwicklungen, die es bereits einmal vor Jahrzehnten gegeben hat: „Kauft nicht bei denen, kauft nicht bei denen …“

Wenn es aber zu Schlägereien und gewalttätigen Auseinandersetzungen mit anderen Banden kommt, wie in Deutschland, dann ist aber auch klar, dass man darüber berichtet.
Wenn man vergleicht, wieviele Artikel herauskommen und wieviele Verurteilungen es wirklich gibt, dann gibt es da einen Riesenunterschied. Man macht aus einer Mücke oft einen Elefanten. Das ist dann zwar rasch wieder aus den Medien verschwunden, der Mythos bleibt aber.

Aber leben die Hells Angels nicht auch von ihrem Mythos?
Mythos gut und schön – aber so einen Mythos kann man nicht brauchen.

Es wird eben oft erst dann über etwas berichtet, wenn etwas Negatives passiert. Das trifft nicht nur auf die Hells Angels zu.
Ich will uns ja auch gar nicht als Chorknaben oder Waisenknaben darstellen …

Sind die Wiener Hells Angels ebenfalls mit Problemen konfrontiert?
Vor 20 Jahren war Reisen noch kein großes Problem, heute ist es so, dass die Grenzen im Großen und Ganzen dicht sind. Weder nach Kanada, Australien, Neuseeland, USA können Leute von uns einreisen. Das hat aber nichts damit zu tun ob, die Leute zum Beispiel vorbestraft sind oder nicht. Der einzige Grund ist, dass sie Mitglieder der Hells Angels sind. Etwa 90 Prozent von unseren Leuten, die in die Vereinigten Staaten reisen wollen, werden abgelehnt.
Die Begründung ist sehr oft, dass man Mitglied einer kriminellen Organisation ist. Auf der ganzen Welt gibt es aber kein Gerichtsurteil, dass dies belegen würde.

Wie sieht euer Engagement in der Musikszene aus?
Wenn man die Hells Angels mit der Musikszene in Verbindung bringt, heißt es immer automatisch: Altamont, Mick Jagger, ein Toter. Warum? Das ist in den Köpfen drin. Zum Beispiel hat Johnny Cash das Lied „The Backstage Pass“ geschrieben, in dem die Hells Angels eine Rolle gespielt haben. Nur weil das Wort „Hells Angels“ im Lied vorgekommen ist, wurde es nicht im Radio gespielt.
Dass wir aber von jeher enge Kontakte zur Musikszene haben, teilweise auch Stars managen, Konzerte veranstalten, sieht man nicht. In meinem Bierlokal gehen viele namhafte Bluesmusiker ein und aus. Wir veranstalten Bikeshows, die meisten Tattoo-Conventions auf der Welt sind mit den Hells Angels verbunden. Wir veranstalten auch Dragster-Rennen, Boxveranstaltungen, machen Security im kulturellen Bereich; das ist ein großes Betätigungsfeld. Wir haben letztes Jahr auch Kinovorstellungen in den Breitenseer Lichtspielen veranstaltet, um dieses von der Schließung bedrohte Kino in der Nachbarschaft, das eines der ältesten Kinos der Welt ist, ein bisschen zu fördern.

Empfinden Sie den Mythos als Fluch?
Natürlich. Wir leben unser Ethos, aber der Mythos wird medial propagiert. Wir treten z.B. bei Veranstaltungen nicht unbedingt direkt mit unserem Namen in den Vordergrund, weil es eben nicht unbedingt förderlich ist.

QUELLE